BLÜTEZEIT DES JAKOBSPILGERTUMS

Im 12. Jahrhundert war die Santiagowallfahrt im mittel- und westeuropäischen Raum bereits fest integriert; sogar aus Skandinavien, dem Baltikum, Großbritannien und Weißrussland pilgerten die Menschen in den westlichsten Zipfel Europas.[1]

Die Wallfahrt entwickelte sich zu einer der dominierenden christlichen Frömmigkeitsformen. Königliche Privilegien und bis heute erhaltene Bauten belegen einen deutlichen Ausbau der Infrastruktur und die Befestigung der Wege und lassen erahnen, wie groß der Pilgerstrom in diesem Jahrhundert war.[2]

Der Jakobsweg half Spanien im 12. Jahrhundert dabei, die Sonderstellung, in die es durch die Herrschaft der Mauren ab dem 7. Jahrhundert geraten war, zu überwinden. Doch nicht nur die Pilger und Händler (welche sich des Öfteren in einer Person vereinten), ausländischen Siedler und Regierenden, sondern auch das Papsttum unterstütze den „Europäisierungsprozess“ Spaniens.

Als Folge wurden entlang des französischen Jakobsweges neue Orte gebaut und Händler und Handwerker siedelten sich in Santiago, Burgos und anderen Bischofssitzen oder heiligen Orten an[3].[4]

Über die Jahre entwickelte sich neben dem Bild des Heiligen zunehmend auch das Bild des Schlachtenhelfers Santiago, des Matamoros (sp. für Maurentöter), der die spanischen Krieger im Kampf gegen die Mauren - aber auch christliche Feinde - unterstützte. Santiago wurde zum Schutzpatron des spanischen Volkes.[5]

Quellen (bitte klicken)

Text: Lara Buschmann


[1]  Vgl.: Kruse, B./ Niehus, C./ u. A.: Europäische Völker und die Santiago-Wallfahrt. In: Häußling, Josef M. (Hrsg.): Auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Der Jakobsweg-Kulturstraße Europas, Wissenschaftspilger Europas, Bd.1, S. 33-42, Münster 2005, S. 34

[2]  Vgl.: Herbers, Klaus: Jakobsweg, S. 84ff

[3]  Vgl.: Herbers, Klaus: Jakobsweg, S. 52

[4]  Für die Hochzeit des Jakobsweges bietet das „Liber Sancti Jakobi“ (Buch des Heiligen Jakobus) aus dem 12. Jahrhundert Quellen ersten Ranges. Als älteste erhaltene Handschrift in Santiago erstellt, diente es seinerzeit als Pilgerführer- und Ratgeber für Santiagowallfahrer. In seinen fünf Teilen gab es Auskunft über die Leidensgeschichte des Apostels, die Umsetzung des Jakobskultes, sowie die Geschichte und die Wegführung und Gefahren des Jakobsweges.

[5]  Vgl.: Herbers, Klaus: Der Jakobsweg. Mit einem mittelalterlichen Pilgerführer unterwegs nach Santiago de Compostela, S. 21