JAKOBUS ALS NATIONALER IDENTITÄTSSTIFTER WÄHREND DES FRANQUISMUS

Entscheidend für das Wiederaufleben der Wallfahrt nach Santiago war die Ausgrabung der angeblichen Gebeine Santiago des Älteren die für zweihundert Jahre verschollen gewesen waren im Jahr 1879. Der damalige Papst Leo XIII. bestätigte 1884 den Fund in seiner Echtheit und so kam erneutes Interesse an dem Weg und seiner Blütezeit im Mittelalter auf.[1]

Ende der zwanziger Jahre begann der Amerikaner Walter Muir das Liber Sancti Jacobi (Codex Calixtinus), zu übertragen und nach dem Spanischen Bürgerkrieg wurde es 1944 veröffentlicht und der Jakobsweg als Zone des Friedens wiedereröffnet.

Noch vor dem Ende des Bürgerkriegs stellte Francisco Franco den Antrag, Santiago erneut zum Schutzpatron Spaniens zu machen. Von nun nutzten Franco und die Nationalisten den Heiligen, um sich mit dem „Bewahrer der spanisch-katholischen Identität“ gleichzusetzen[2]. Das Bild des Matamoros (Maurentöters) wurde zum Symbol für seine faschistisch-nationalistische Politik.[3] 

Nach dem zweiten Weltkrieg, der Europa tief verwundet hinterließ, fand man im Jakobsweg was man suchte: „Der Jakobsweg mit seinen Wurzeln im christlichen Europa schaffte den idealen Weg, politische Differenzen zu überwinden und einen Kontinent mehr durch den Klang trampelnder Füße als durch Kriegstreiben zusammenzuführen.“[4]

In den fünfziger und sechziger Jahren bildeten sich in Spanien und Frankreich Vereinigungen der „Freunde des Jakobsweges“ und auch politisch bestand weiterhin Interesse an der wissenschaftlichen Aufarbeitung und touristischen Erschließung.

Im Heiligen Jahr[5] 1954 fanden einige Jugendwallfahrten statt, - aber vor allem Franco-Anhänger machten sich mit dem Pferde auf um den Patron Spaniens zu verehren.[6]

Quellen (bitte klicken)

Text: Lara Buschmann

  • [1]  Vgl.: Frey, Nancy Louise: Santiagopilger unterwegs und danach. Auf den Spuren einer alten Route im heutigen Spanien. Volkach 2002, S. 323f
  • [2]  Vgl.: Ebd., S. 325
  • [3]  Zum 1900-jährigen Gedenken an den Märtyrertod des Hl. Jakobus wurde 1943 ein Wettbewerb vom Spanischen Institut gesponsert aus dem mehrere Bücher hervorgingen. Die Hauptbruderschaft des Hl. Jakobus reagierte auf das steigende Interesse im Heiligen Jahr 1948 und publizierte erstmals die Zeitschrift „Compostela“.  Im gleichen Jahr wurde eine Weltjugendwallfahrt organisiert, die in allen kommenden Heiligen Jahren wiederholt wurde.
  • [4]  Frey, Nancy L.: Santiagopilger unterwegs und danach, S. 326
  • [5]  Das feiern Heiliger Jahre begann im Jahr 1122 unter Papst Calixto II. „Heiliges Jahr“  wird in Santiago immer dann gefeiert, wenn der 25. Juli, Tag des Märtyrertodes des Hl. Jakobus, auf einen Sonntag fällt (also immer in den Jahresabständen 11- 6 - 5 - 6.  Die letzten drei heiligen Jahre waren 1993, 1999, 2004, das nächste heilige Jahr wird 2010 gefeiert. (Vgl.: URL: http://www.catedraldesantiago.es/webcatedral.html [Abfrage: 03.08.2009])
  • [6]  Vgl.: Frey, Nancy L.: Santiagopilger unterwegs und danach, S. 327