KRITIK AM PILGERTUM

Ab dem 15. Jahrhundert erlebte die Pilgerbewegung einen regelrechten Einsturz, der oft der Reformation zugeschrieben wird. Historiker wir Klaus Herbers betonen jedoch, dass die Krise tiefer ging und nicht auf die Reformation reduziert werden dürfe, denn Kritik am Reliquien- und Gräberkult gab es seit ihrem Aufkommen.

Auch in der Blütezeit der Wallfahrer, im 12. Jahrhundert, gab es Kritiker die nicht an die Echtheit einiger Reliquien und Wundererzählungen glaubten und sie als Betrug bloßstellten. Kritisiert wurden auch Habgier der Wirte und Händler auf dem Jakobsweg, denen die Frömmigkeit abhanden gekommen war.

Neue Ansätze bemühten sich, die eigentlichen Ziele der Wallfahrt wieder neu zu definieren und wiederzubeleben. Ende des 14. Jahrhunderts bemerkte beispielsweise der deutsche Prediger Johannes Geiler von Kayserberg, dass sich alle Christen wie Pilger verhalten und jederzeit für ihren Tod gerüstet sein sollten. Dazu gehöre eine bewusste Lebensführung, die Trennung von Lastern und das Wiedergutmachen von Fehlern - auch ohne eine bevorstehende Wallfahrt.[1]

Ab dem 15. Jahrhundert nahmen Humanisten wie Erasmus von Rotterdam die Heiligenverehrung in ihre Kritik, von der auch Santiago nicht verschont blieb. Kritisiert wurde, dass nicht das beispielhafte Leben der Heiligen als Vorbild galt, sondern ihren Überbleibseln gefolgt wurde.

Martin Luther kritisierte vor allem den Glauben der Pilger, beim Wallfahren Gott zu suchen und mahnte, dass nur die Bibel entscheide, was richtig oder falsch sei. Neben Rom, das den Bau des Petersdoms durch Ablassbriefe finanzierte, kritisierte er auch Santiago de Compostela und zweifelte öffentlich die so lange verehrten vermeintlichen Überreste des Apostels an. Die Apostelgeschichte gebe über den Ort keine Auskunft und da die heiligen Gebeine teilweise auch in Toulouse vermutet worden seien, könnte man nicht sicher gehen, ob nicht ein Hund oder Pferd anstelle des Apostels in Santiago begraben liege.

Die katholische Kirche reagierte erst sehr viel später, verteidigend, auf Luthers Kritik aber auch aus den Gebieten, die nach der Reformation katholisch blieben, pilgerten immer weniger Gläubige nach Santiago.[2] Dieser Trend setzte sich auch im 16. Jahrhundert fort.

Quellen (bitte klicken)
Text: Lara Buschmann
 
[1] Vgl.: Herbers, Klaus: Jakobsweg, S. 79-85
[2] Vgl.: Herbers, Klaus: Jakobsweg, S. 86