Rezension: Der Erzengel-Michael-Weg

Unser Vorstandsmitglied Dr. Christopher Frantzen hat eine Rezension zum jüngst erschienenen Buch von Angela Maria Seracchioli verfasst

Wegführer

 

Seracchioli, Angela Maria: Der Erzengel-Michael-Weg – Auf dem ältesten Pilgerweg Italiens nach Monte Sant’Angelo am Gargano, 2015, Tyrolia-Verlag, Innsbruck, ISBN 978-3-7022-3427-0, 21,95 EUR

 

Dieser in jüngster Zeit wiederentdeckte Pilgerweg aus dem 6. Jahrhundert führt in Verlängerung des Franziskus-Weges von Poggio Bustone (Latium) zum Monte Stant’Angelo am Gargano (Apulien), dem Sporn des italienischen Stiefels, unweit von Bari. Insoweit eignet sich dieser Weg gut für Jerusalems-Pilger und kann auch in Rom begonnen werden. Franz von Assisi ist diesen Weg gegangen, als er 1219 ins Heilige Land und weiter nach Ägypten pilgerte.

 

Die Verehrung des Erzengels Michael in Europa geht auf die Langobarden zurück, die Ende des 6. Jahrhunderts in Italien einfielen, schnell christianisiert wurden und den Erzengel Michael zu ihrem Schutzpatron erklärten. Später (nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955) avancierte der hl. Michael zum Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ist noch heute der Schutzpatron Deutschlands.

 

Eine geheimnisvolle Michael-Linie durchzieht seitdem Europa, beginnend in St Michael’s Mount an der Südwestspitze Englands über Mont-Saint Michel in der Normandie, über die Sacra di San Michele im Susa-Tal (Piemont) und endend am Monte Gargano am Adriatischen Meer.

 

Es ist das Verdienst der italienischen Pilgeraktivistin Angela Maria Seracchioli, die schon vor Jahren den Franziskus-Weg (Florenz – Assisi – Rieti) wieder in das allgemeine Bewusstsein gebracht hat (ihr gleichfalls im Tyrolia-Verlag hierzu vorgelegter Führer Der Franziskusweg ist jüngst in der 4. Aufl. erschienen), auch diesen Weg wiederbelebt und für heutige Pilger gangbar gemacht zu haben. 

 

Der 500 km lange Weg beginnt in Latium und führt über die Abruzzen und Molise nach Apulien. Er führt durch unberührte Täler, zu geschichtsträchtigen Orten und geheimnisvollen Felsheiligtümern, zu den Spuren des frühmittelalterlichen Michaelskultes ebenso wie zu franziskanischen Oasen der Stille und des Gebets. Pilger erleben die grenzlose Gastfreundschaft der einfachen Bergbewohner der Abruzzen und entdecken am Ziel einen der ältesten Wallfahrtsorte Europas: die Felsenkirche San Michele, eine Grotte, in welcher im Jahre 490 der Erzengel Michael einem Hirten erschienen sein soll.

 

Für den Pilger, der schon Santiago de Compostella war und der vielleicht auch schon den Franziskusweg gelaufen ist, ist der Erzengel-Michel-Weg eine wunderbare Ergänzung oder auch Alternative. Ruhe und Spiritualität sollte er jedenfalls auf diesem Weg finden. Der vorgelegte Wegführer wird ihm hierbei eine wertvolle Unterstützung sein.

 

Dr. Christopher Frantzen, Berlin

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